Herzlich willkommen, liebe Freunde der Songs an einem Sommerabend

Das Festival ging nun ins 33. Jahr und die „Songs“, mit denen ich seit der ersten Veranstaltung in unterschiedlichen Funktionen verbunden bin, haben nach der Wanderschaft von Banz über Südtirol nun in Würzburg sichtlich eine neue Heimat gefunden.

Der Versuch im letzten Jahr, eine kleinere Form auch an einem kleineren Veranstaltungsort zu etablieren, hat unseren Besuchern wohl gefallen. Eine Erkenntnis, die wir aus vielen Anmerkungen bei den Kartenbestellungen in diesem Jahr gewannen.

Wir sind von vielen – vom Publikum, aber auch von den Journalisten – gefragt worden, warum das Programm über mehrere Jahre immer bunter wurde und sich oft auch mit Beiträgen am Rande der Liedermacherkunst bewegte. Der Grund ist einfach: Das hatte etwas mit der großen Spielfläche zu tun, aber vor allem auch damit, relativ viele Leute anzulocken.

Der Spielort Himmelspforten lässt es wieder zu, die Ursprünge der Liedermacherkunst zu präsentieren. So waren von Carolin No bis Heinz Rudolf Kunze, aber auch von Sharon Brauner bis Manfred Maurenbrecher mit seinem Freund Richard Wester farbige Punkte mit interessanten Texten ohne zu viel musikalische Verpackung vertreten.

Ein Höhepunkt war in diesem Jahr sicherlich die Mitwirkung der wunderbaren Noëmi Waysfeld, einer Künstlerin, die einen interessanten Lebenslauf vorzeigen kann. Die Eltern aus Russland, nach Frankreich ausgewandert, sie selbst in Paris geboren, mit jüdischen Wurzeln und der damit verbundenen Klezmer-Musik und ihrer großen Liebe zur portugiesischen Fado­Musik wagt sie einen Versuch, etwas zu vereinen, dessen Vereinigung bisher noch niemand versucht hat.

Wenn Zeilen dieser Art geschrieben werden, befassen sie sich natürlich mit dem Jahrgang des aktuellen Jahres. Doch im Hintergrund werden schon für das Jahr danach Fäden gesponnen, also in diesem Fall für 2020. Hier wollen wir versuchen, einige der Großen, die Liedermachergeschichte geschrieben haben, einzuladen, denn der diesjährige Jahrgang lässt spüren, dass die Zeit im Schnelllauf vergeht und man inzwischen der ganz Großen gedenken muss, die nicht mehr sind, verbunden mit dem Wunsch, dass das, was sie geschaffen haben, nicht vergessen wird.

Es wurde bei den Konzerten an allen Abenden derer gedacht, die für diese leise Kunst der Lieder stehen, die vor allem auch Texte haben, die hörenswert sind. So spannte sicht der Bogen von Walther von der Vogelweide mit seiner engen Verbindung zu Würzburg über George Brassens bis zu Ludwig Hirsch, Georg Danzer und wie sie alle heißen.

Unsere Zeiten sind ruppig, unübersehbar und oft herzlos geworden. Nicht schön, muss man feststellen. Und es ist, glaube ich, gut so, dass die, die Lieder schreiben, die auch kritische Texte haben, einmal im Jahr eine Spielwiese bei den „Songs“ finden.

Herzliche Grüße

Ihr
Ado Schlier


Die Preisträger des „Walther-von-der-Vogelweide-Preises“

Der Berliner Liedermacher Lukas Meister, Annika Borsetto aus Südtirol und die Band KATHRINA aus dem ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück sind die Preisträger des „Walther-von-der-Vogelweide-Preises“, der anlässlich der „Songs an einem Sommerabend“ vergeben wurde. Das Original des renommierten Liedermacherfestivals fand am 14. und 15. Juni 2019 zum 33. Mal statt. Veranstaltungsort war bereits zum zweiten Mal der Park des Klosters Himmelspforten in Würzburg.


Foto: Mathias H. Walther

Vergeben wurde der Preis, um den sich mehr als 120 meist deutschsprachige Singer-Songwriter aus dem gesamteuropäischen Raum beworben hatten, vom „Förderkreis für Liedermacher und Songpoeten e.V.“. Der Jury gehörten neben der Radiolegende und Künstlerischen Leiter der „Songs an einem Sommerabend“, Ado Schlier, verschiedene Rundfunk- und Zeitungsjournalisten sowie Künstler an. Der Preis wird jährlich vergeben. Die Preisträger bekommen für ihren Auftritt, der normal honoriert wird, eine Aufzeichnung des Audio-Tons in Rundfunk- und CD-Qualität, welche zur uneingeschränkten Auswertung zur Verfügung steht.

Lukas Meister, 1986 in der Nähe von Freiburg im Breisgau geboren, lebt und arbeitet heute in Berlin. Bekannt wurde er unter anderem als Begleitmusiker der Liedermacherin Sarah Lesch. Jetzt hat er sein neues Album „Leuchten“ vorgestellt. Martin Kersten von der Kulturredaktion des Hessischen Rundfunks über den Künstler: „Es gibt in Deutschland nicht viele Liedermacher in der Generation von Lukas Meister, die das Talent haben, mit der schönen, aber manchmal etwas sperrigen Sprache Deutsch in einem Song angemessen umzugehen. Lukas Meister gelingt es in seinen Liedern wirklich, die Dinge klug, aber im besten Sinne beiläufig auf den Punkt zu bringen. Mit Tiefgang, aber ohne Schwere, mit Witz, aber ohne Dämlichkeiten. Im besten Sinne unprätentiös.“

Annika Borsetto ist eine Südtiroler Liedermacherin aus Bozen, die ihr Publikum mit Texten in Deutsch, Italienisch und Ladinisch fesselt. Sie mag es nicht gerne, sich in die eine oder andere Musikrichtung einordnen zu müssen. Vielmehr interessiert sie eine vielseitige Mischung verschiedener Musikstile. Hauptthema ihrer Lieder ist es, das eigene Leben zu leben, ohne auf besseren Zeiten zu warten. Dabei geht es der Musikerin auch um das Gefühl, nicht wirklich „massenkompatibel“ zu sein, sich „nicht von negativer Energie in unserem Umfeld beeinflussen zu lassen“.

KATHRINA sind eine Handvoll Musiker aus Ostwestfalen, die sich erfrischend ungekünstelt als Liedermacher mit Texten zum Hinhören, Mitlachen und Nachdenken verstehen; mit einer direkten Ansprache, die ganz ohne wehleidigen Unterton auskommt und dennoch persönlich und nahbar klingt. KATHRINA erzählt Geschichten aus dem täglichen Leben, in bester Liedermachermanier, in eingängigem und gleichzeitig unaufdringlichem, akustischem Gewand, mit Akustik-Gitarre und -Bass, Bluesharp, Percussion und einer gemütlichen, aber unterhaltsamen Bühnenpräsenz.

Bei den 33. „Songs an einem Sommerabend“ in Würzburg standen die Preisträger Meister, Borsetto und KATHRINA gemeinsam mit Hans-Jürgen Buchner und HAINDLING auf der Bühne im Klosterpark. Mit von der Partie auch der Berliner Geschichtenerzähler Klaus Hoffmann, die Würzburger Lokalmatadore Carolin No und der neue Star aus der Pariser Liedermacherszene Noëmi Waysfeld & Blik, der Münchner Weiherer sowie D’Raith-Schwestern & da Blaimer. Die Moderation hatte auch in diesem Jahr wieder Matthias Brodowy übernommen.

 

 

Songs an einem Sommerabend 2019 in Würzburg (Kloster Himmelspforten)